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Alterungsrückstellungen in der PKV: Wie werden sie aufgebaut und bei einem Wechsel berücksichtigt?

Ratgeber Kosten & Beiträge · Stand 2026

Alterungsrückstellungen in der PKV einfach erklärt (2026)

Alterungsrückstellungen sind der Grund, warum ein 70-Jähriger in der privaten Krankenversicherung nicht ein Vielfaches seines Einstiegsbeitrags zahlt. Wir zeigen, wie die Rücklage entsteht, welchen Anteil der gesetzliche Zuschlag hat und wann Sie beim Wechsel Geld liegen lassen.

355,4 Mrd. €Alterungsrückstellungen gesamt
10 %gesetzlicher Zuschlag von 21 bis 60
90 %des Überzinses für Versicherte
seit 2009teilweise übertragbar

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Inhalt dieser Seite
  1. Was sind Alterungsrückstellungen?
  2. So funktioniert das Prinzip
  3. Der 10-%-Zuschlag
  4. Überzins und Entlastung ab 65
  5. Tarifwechsel, Anbieterwechsel, Kündigung
  6. Tarife ohne Rückstellung
  7. Warum Beiträge trotzdem steigen
  8. Zusätzlich vorsorgen
  9. Warum das Abschlussjahr 2009 beim PKV-Wechsel wichtig ist
  10. Gesetzlichen Zuschlag nicht mit frei verfügbarem Sparguthaben verwechseln
  11. Häufige Fragen

Alterungsrückstellungen PKV in Kürze

Die Alterungsrückstellung ist eine Rücklage, die Ihr privater Krankenversicherer aus Ihren Beiträgen bildet. In jungen Jahren zahlen Sie mehr, als Sie an Leistungen kosten; dieses Polster wird verzinst und im Alter aufgebraucht, damit der Beitrag nicht allein wegen Ihres höheren Lebensalters steigt.

  • Die PKV hält insgesamt 355,4 Mrd. € Alterungsrückstellungen (Ende 2025, +3,8 %).
  • Vom 21. bis zum 60. Geburtstag zahlen Sie 10 % Zuschlag (§ 149 VAG), der komplett in die Rücklage fließt.
  • 90 % der Zinserträge über dem Rechnungszins werden gutgeschrieben und ab 65 bzw. 80 zur Beitragsentlastung eingesetzt.
  • Beim internen Tarifwechsel bleibt alles erhalten, beim Anbieterwechsel nur der Anteil in Höhe des Basistarifs (Verträge ab 2009).

Was sind Alterungsrückstellungen in der PKV?

Alterungsrückstellungen in der PKV sind angesparte Beitragsanteile, mit denen ein privater Krankenversicherer die höheren Krankheitskosten seiner Versicherten im Alter vorfinanziert. Sie sind gesetzlich vorgeschrieben für jede Krankenvollversicherung, die nach Art der Lebensversicherung kalkuliert wird — also für praktisch alle Volltarife in Deutschland.

Der Hintergrund ist einfach: Ein 30-Jähriger verursacht im Durchschnitt nur einen Bruchteil der Kosten eines 75-Jährigen. Würde die private Krankenversicherung jedes Jahr nur die Kosten der jeweiligen Altersgruppe verlangen, wären Beiträge für junge Menschen sehr niedrig und für Rentner kaum bezahlbar. Die gesetzliche Krankenversicherung löst das über die Umlage: Die Jungen zahlen für die Alten. Die PKV dagegen sorgt nach dem Kapitaldeckungsverfahren vor — jede Generation spart für sich selbst.

Wichtig für das Verständnis: Die Alterungsrückstellung ist kein Sparkonto auf Ihren Namen. Sie gehört zum Kollektiv Ihres Tarifs. Wer früh ausscheidet oder stirbt, hinterlässt seinen Anteil den verbleibenden Versicherten — das ist in der Kalkulation bereits eingerechnet und macht die Beiträge für alle, die bleiben, günstiger.

355,4 Mrd. €Alterungsrückstellungen der PKV Ende 2025
+3,8 %Zuwachs gegenüber dem Vorjahr
8,79 Mio.Vollversicherte in Deutschland
54,4 Mrd. €Beitragseinnahmen der PKV 2025

Nach Zahlen des PKV-Verbands entspricht der Kapitalstock rechnerisch gut 40.000 € je Vollversicherten — ein grober Durchschnitt, denn im Gesamtbetrag stecken auch die Rückstellungen der Pflegepflichtversicherung und vieler Zusatzversicherungen. Ihr persönlicher Wert hängt von Eintrittsalter, Tarif und Vertragsdauer ab.

So funktionieren Alterungsrückstellungen in der privaten Krankenversicherung

Alterungsrückstellungen funktionieren über einen über das ganze Leben kalkulierten Beitrag: Der Versicherer rechnet beim Vertragsbeginn aus, welche Kosten Sie bis zum Lebensende statistisch verursachen, und verteilt sie auf einen Beitrag, der ohne äußere Einflüsse konstant bliebe.

Daraus ergeben sich drei Lebensphasen:

Vereinfachtes Prinzip der Alterungsrückstellung in der PKV
LebensphaseBeitrag im Vergleich zu den KostenWirkung auf die Rückstellung
Eintritt bis etwa Mitte 50Beitrag liegt über den statistischen KostenRückstellung wird aufgebaut und verzinst
etwa 55 bis 65Beitrag und Kosten nähern sich anAufbau verlangsamt sich, der 10-%-Zuschlag endet mit 60
ab etwa 65Kosten liegen deutlich über dem BeitragRückstellung wird aufgelöst und deckt die Differenz

Das Eintrittsalter bestimmt die Höhe

Je früher Sie in die PKV eintreten, desto länger hat der Versicherer Zeit, die Rücklage aufzubauen, und desto niedriger ist der gleichbleibend kalkulierte Beitrag. Wer mit 45 einsteigt, muss dieselbe Vorsorge für das Alter in 20 statt in 35 Jahren zusammensparen — deshalb liegt sein Beitrag spürbar höher. Das erklärt, warum die Frage ab wann sich die PKV lohnt eng mit dem Alter beim Wechsel verbunden ist.

Rechnungszins und Sterbetafeln

In die Kalkulation fließen zwei zentrale Annahmen ein: die Lebenserwartung laut aktueller Sterbetafel und der Rechnungszins, mit dem die Rücklage verzinst wird. Dieser Zins ist gesetzlich auf höchstens 3,5 Prozent begrenzt; viele Versicherer kalkulieren wegen der Kapitalmarktlage inzwischen darunter. Steigt die Lebenserwartung oder sinkt der Rechnungszins, reicht die bisher gebildete Rückstellung nicht mehr aus — der Beitrag muss dann angehoben werden, um die Lücke zu schließen.

Unsere Einordnung: Die Alterungsrückstellung ist der eigentliche Wert Ihres PKV-Vertrags. Ein Tarif, in dem Sie seit 20 Jahren versichert sind, hat für Sie einen Gegenwert, den ein neuer Vertrag bei einem anderen Versicherer nicht bieten kann. Jede Entscheidung zu Kündigung oder Wechsel sollte deshalb mit dieser Rücklage im Blick getroffen werden.

Der gesetzliche Zuschlag: 10 Prozent mehr Alterungsrückstellung in der PKV

Der gesetzliche Beitragszuschlag nach § 149 VAG stockt die Alterungsrückstellung in der PKV zusätzlich auf: Vom 21. bis zum 60. Lebensjahr zahlen Vollversicherte 10 Prozent auf ihren Beitrag, und dieser Betrag fließt vollständig in die Rücklage für das Alter.

Der Zuschlag wurde eingeführt, weil die klassische Alterungsrückstellung nur den Kostenanstieg durch das Älterwerden abdeckt, nicht aber allgemeine Kostensteigerungen. Er ist ein Sicherheitspolster, das später zweckgebunden eingesetzt wird. Ausgenommen sind befristete Verträge, Tarife, die mit der gesetzlichen Altersgrenze enden, und der Notlagentarif.

Rechenbeispiel: Was der Zuschlag über die Jahre ausmacht

Ein 24-jähriger Angestellter zahlt bei der Allianz in MeinGesundheitsschutz Plus 90 mit Zahn 90 einen gesetzlichen Zuschlag von 56,00 € im Monat — das sind 672 € im Jahr. Bliebe der Beitrag unverändert, kämen allein aus dem Zuschlag bis zum 60. Geburtstag folgende Beträge zusammen, noch ohne Zinsen:

Beispiel: gesetzlicher Zuschlag von 56,00 € monatlich, konstant gerechnet, ohne Verzinsung und ohne Beitragsanpassungen

In der Praxis wächst der Betrag weiter, weil der Zuschlag mit jeder Beitragsanpassung mitsteigt und die Rückstellung verzinst wird. Der Arbeitgeber beteiligt sich übrigens auch am Zuschlag: Er zahlt die Hälfte des gesamten Beitrags, höchstens 613,22 € im Monat für Kranken- und Pflegeversicherung (2026). Mehr dazu im Ratgeber zum Arbeitgeberzuschuss.

Mit 60 sinkt der Beitrag

Ab dem 60. Geburtstag entfällt der Zuschlag. Weist Ihr Versicherer ihn getrennt aus, sinkt Ihr Beitrag dann um rund 9 Prozent — ein Elftel des bisherigen Bruttobeitrags. Das ist einer von mehreren Bausteinen, die den Beitrag in der PKV im Alter senken.

Überzins und Beitragsentlastung ab 65: So wird die PKV-Rückstellung eingesetzt

Die Alterungsrückstellungen der PKV werden nicht nur mit dem Rechnungszins verzinst: Erwirtschaftet der Versicherer mehr, müssen nach § 150 VAG 90 Prozent dieses Überzinses den Versicherten gutgeschrieben werden. Die Mittel aus Zuschlag und Überzins haben einen festen Verwendungszweck.

Die Bausteine der Alterungsrückstellung in der privaten Krankenversicherung
BausteinRegelVerwendung
Kalkulierte AlterungsrückstellungTeil jedes Beitrags, nach Art der Lebensversicherunggleicht den altersbedingten Kostenanstieg aus
Gesetzlicher Zuschlag (§ 149 VAG)10 % vom 21. bis zum 60. Lebensjahrzweckgebunden für das Alter
Überzins (§ 150 VAG)90 % der Erträge über dem RechnungszinsDirektgutschrift, Beitragsentlastung
Ab dem 65. LebensjahrMittel aus Zuschlag und Überzinsfinanzieren Beitragserhöhungen ab
Ab dem 80. Lebensjahrnoch nicht verbrauchte Mittelsenken den laufenden Beitrag

Für Sie heißt das: Kommt nach dem 65. Geburtstag eine Beitragsanpassung, wird sie ganz oder teilweise aus diesen Mitteln aufgefangen. Ab 80 wirkt der Rest wie eine dauerhafte Beitragssenkung. Zusammen mit dem Wegfall des Krankentagegelds mit Rentenbeginn und dem Zuschuss der Rentenversicherung von 8,75 Prozent der gesetzlichen Rente erklärt das, warum der durchschnittliche Beitrag älterer Privatversicherter niedriger ist, als viele erwarten.

Die Zahlen des PKV-Verbands belegen das: Der Durchschnittsbeitrag erwachsener Privatversicherter ohne Beihilfe lag 2024 bei 559 € im Monat, mit Beihilfe bei 239 €. In keiner Altersgruppe überstieg er im Durchschnitt 650 €, und ab dem Rentenalter liegen die Beiträge deutlich unter denen der 50- bis 60-Jährigen. Wie sich der Beitrag bei Ihnen zusammensetzt, zeigt der Ratgeber zu den Kosten der PKV.

Tarif mit starker Altersvorsorge finden

Wir vergleichen Tarife verschiedener Versicherer nach Beitrag, Leistung und Beitragsstabilität — passend zu Ihrem Eintrittsalter.

Alterungsrückstellungen bei Tarifwechsel, Anbieterwechsel und Kündigung der PKV

Was mit Ihren Alterungsrückstellungen passiert, hängt davon ab, wohin Sie wechseln: Innerhalb desselben Versicherers bleibt die Rückstellung vollständig erhalten, beim Wechsel zu einer anderen Gesellschaft geht nur ein Teil mit, bei Rückkehr in die GKV verfällt sie.

Alterungsrückstellungen der PKV in typischen Lebenslagen
SituationWas mit der Rückstellung passiert
Tarifwechsel beim eigenen Versicherer (§ 204 VVG)voll angerechnet, Gesundheitsprüfung nur für Mehrleistungen
Anbieterwechsel, Vertrag ab 01.01.2009Übertragung im Umfang des Basistarifs, der Rest bleibt beim alten Versicherer
Anbieterwechsel, Vertrag vor 2009in der Regel keine Übertragung
Wechsel in den Basistarif des eigenen VersicherersRückstellung wird angerechnet
Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherungverfällt, außer bei großer Anwartschaft
Große Anwartschaft (z. B. Ausland, vorübergehend GKV)bleibt gesichert, ursprüngliches Eintrittsalter bleibt
Notlagentarif bei Beitragsrückstandbis zu 25 % der Prämie können aus der Rückstellung entnommen werden
Tod der versicherten Personbleibt im Kollektiv, keine Auszahlung an Erben

Tarifwechsel nach § 204 VVG: die Rückstellung voll nutzen

Der interne Tarifwechsel ist der einzige Weg, bei dem die gesamte Alterungsrückstellung mitgeht. Sie dürfen jederzeit in einen gleichartigen Tarif Ihres Versicherers wechseln, auch in eine neuere Tarifgeneration. Bei der Allianz etwa wechseln Kunden aus AktiMed in MeinGesundheitsschutz; Einsparungen von 15 bis 34 Prozent sind möglich, bei einer 58-jährigen Versicherten zum Beispiel von 867 € auf 641 € im Monat. Wie das im Detail abläuft, erklären wir im Beitrag zum Tarifwechsel nach § 204 VVG. Eine Einschränkung gilt: Aus einem Unisex-Tarif führt kein Weg zurück in einen Bisex-Tarif.

Anbieterwechsel: Portabilität nur im Umfang des Basistarifs

Seit der Gesundheitsreform 2009 ist die Alterungsrückstellung teilweise übertragbar. Mitgenommen wird aber nur der Teil, der auf die Leistungen des Basistarifs entfällt — dessen Höchstbeitrag liegt 2026 bei 1.017,18 €. Wer einen leistungsstarken Komforttarif mit Einbettzimmer, Chefarzt und hochwertigem Zahnersatz hat, lässt den darüber hinausgehenden Teil beim bisherigen Versicherer zurück. Beim neuen Versicherer gilt zudem das aktuelle Eintrittsalter, und es gibt eine neue Gesundheitsprüfung. Für wen sich das trotzdem rechnet, zeigt der Ratgeber PKV-Anbieter wechseln.

Vorsicht bei Altverträgen: Haben Sie Ihren Vertrag vor dem 1. Januar 2009 abgeschlossen, wird bei einem Wechsel zu einer anderen Gesellschaft in der Regel gar keine Alterungsrückstellung übertragen. Für diese Versicherten ist der interne Tarifwechsel fast immer die bessere Lösung.

Kündigung und Rückkehr in die GKV

Wer die PKV kündigt, weil er versicherungspflichtig wird und in die gesetzliche Krankenversicherung zurückkehrt, verliert seine Alterungsrückstellung vollständig. Sie wird nicht ausgezahlt und nicht an die Krankenkasse übertragen. Wer später in die PKV zurückkehren möchte, sollte deshalb eine große Anwartschaft abschließen: Sie sichert Eintrittsalter und Rückstellung gegen einen deutlich reduzierten Beitrag. Alles zu Fristen und Kündigungsregeln finden Sie im Ratgeber PKV kündigen; wer nach einer Beitragserhöhung kündigen will, sollte vorher das Sonderkündigungsrecht mit einem internen Wechsel vergleichen.

Wechsel prüfen, ohne Rückstellung zu verschenken

Wir rechnen durch, ob ein interner Tarifwechsel oder ein neuer Versicherer für Sie günstiger ist — mit Blick auf Ihre Alterungsrückstellung.

PKV-Tarife ohne Alterungsrückstellung: Ausbildungs- und Anwärtertarife

Einige PKV-Tarife verzichten bewusst ganz oder teilweise auf Alterungsrückstellungen: Ausbildungstarife für Studenten und Anwärtertarife für Beamte auf Widerruf. Der Beitrag ist dadurch deutlich niedriger, wird aber nach Studium oder Vorbereitungsdienst auf den Normaltarif mit Rückstellung umgestellt — meist ohne neue Gesundheitsprüfung.

Beispiele für PKV-Tarife ohne Alterungsrückstellung, Stand 2026
AnbieterTarifZielgruppeBesonderheit
AllianzMeinGesundheitsschutz Plus 70A / Best 70AStudentenohne Alterungsrückstellung, bis 39 Jahre
DKVStudenten- und SchülertarifStudenten, SchülerFortführungsrecht ohne Gesundheitsprüfung
GeneraliAusbildungsvariante GesundProStudenten, Auszubildende17 bis 38 Jahre
LVMA-, AP-, S- und Z-Tarife ohne RückstellungSchüler, Studenten16 bis unter 39, Umstellung ohne Gesundheitsprüfung
Württembergischealle Module mit besonderem BeitragAusbildung und Studium21 bis 34 Jahre
VRKAnwärtertarifAnwärter, Vikare, Referendareautomatische Umstellung nach der Ausbildung
Union KrankenversicherungBesondere Bedingungen „W“Anwärter und ReferendareBeitrag ohne Alterungsrückstellung

Wie groß der Unterschied ist, zeigt die Allianz: Ein 19-jähriger Anwärter zahlt mit 50 Prozent Beihilfe 72,34 € im Monat, ein 27-jähriger Beamter im regulären Beihilfetarif 352,24 €. Der Sprung erklärt sich vor allem dadurch, dass mit der Verbeamtung auf Probe der Aufbau der Alterungsrückstellung beginnt. Wer als Anwärter oder Referendar startet, findet die passenden Tarife auf unseren Seiten für Beamtenanwärter und Referendare; für Studenten unter PKV für Studenten.

Worauf Sie achten sollten: Ein günstiger Einstiegsbeitrag ohne Rückstellung ist kein dauerhafter Preis. Vergleichen Sie Ausbildungstarife immer auch nach dem Beitrag, der nach der Umstellung fällig wird, und danach, ob die Umstellung garantiert ohne Gesundheitsprüfung erfolgt.

Warum PKV-Beiträge trotz Alterungsrückstellungen steigen

PKV-Beiträge steigen trotz Alterungsrückstellungen, weil die Rücklage nur das eigene Älterwerden ausgleicht — nicht aber die allgemeine Verteuerung der Medizin. Neue Therapien, höhere Krankenhaus- und Pflegekosten und teurere Arzneimittel werden bei Vertragsbeginn nicht vorfinanziert.

Hinzu kommen zwei Effekte, die direkt die Rückstellung betreffen: Steigt die Lebenserwartung, muss die Rücklage länger reichen. Sinkt der Rechnungszins, wirft sie weniger ab. In beiden Fällen muss der Versicherer bei der nächsten Beitragsanpassung nachkalkulieren und zusätzliche Rückstellung aus höheren Beiträgen bilden. Zum 1. Januar 2026 waren rund 60 Prozent der Vollversicherten von einer Anpassung betroffen, im Schnitt um etwa 13 Prozent.

Was Alterungsrückstellungen leisten

  • Beitrag steigt nicht allein wegen des höheren Alters
  • 10-%-Zuschlag und Überzins federn Erhöhungen ab 65 ab
  • Voll erhalten beim Tarifwechsel nach § 204 VVG
  • Seit 2009 teilweise zu anderen Versicherern übertragbar
  • Langfristig: PKV-Beiträge stiegen 2006 bis 2026 um 3,4 % pro Jahr, GKV-Beiträge um 3,9 %

Wo ihre Grenzen liegen

  • Medizinischer Kostenanstieg wird nicht vorfinanziert
  • Niedrigerer Rechnungszins macht Nachkalkulationen nötig
  • Beim Anbieterwechsel geht nur der Basistarif-Anteil mit
  • Bei Rückkehr in die GKV verfällt die Rückstellung
  • Keine Auszahlung und keine Vererbung

Die langfristigen Zahlen zeigen, dass das System trotzdem funktioniert: Über 20 Jahre stiegen die Beiträge in der PKV mit durchschnittlich 3,4 Prozent im Jahr etwas langsamer als in der GKV mit 3,9 Prozent. Hintergründe zu den aktuellen Anpassungen lesen Sie im Ratgeber PKV-Beitragserhöhung, konkrete Gegenmaßnahmen unter PKV-Beitrag senken.

Zusätzlich vorsorgen: Beitragsentlastungstarife in der PKV

Wer über die gesetzliche Alterungsrückstellung hinaus vorsorgen möchte, kann in der PKV einen Beitragsentlastungstarif abschließen: Sie zahlen heute einen Zusatzbeitrag und senken damit ab einem festen Alter Ihren Beitrag um einen vereinbarten Betrag. Die Beiträge sind in der Regel arbeitgeberzuschussfähig.

Beispiele für Beitragsentlastungstarife, Stand 2026
AnbieterTarifEntlastung abBesonderheit
WürttembergischeBeitragsentlastung im Alter (SBVU / SBZU)65Abschluss 21 bis 54, Nachlass steigt alle 5 Jahre um 20 %
LVMVorsorge-PlusJahr des 65. GeburtstagsAbschluss 21 bis 60, bis 80 % der Monatsrate
uniVersauni-BE|flex67, vorgezogen ab 63Beitrag im Alter bis auf 0 € reduzierbar
Münchener VereinAltersentlastung ABE65z. B. 600 € Beitragssenkung, im Paket mit BestensGesund
HanseMerkurBeitragsentlastung BEBje nach VereinbarungErgänzung zur Vollversicherung

Ein Beitragsentlastungstarif wirkt planbar: Anders als die kalkulierte Alterungsrückstellung ist der Entlastungsbetrag fest vereinbart. Ob er sich lohnt, hängt von Ihrem Eintrittsalter, dem Arbeitgeberzuschuss und Ihrer Steuerlast ab. Im Ratgeber zum Beitragsentlastungstarif rechnen wir das ausführlich vor; die steuerliche Seite erklärt PKV steuerlich absetzen.

Beitrag im Alter heute schon planen

Wir berechnen Ihren PKV-Tarif mit passender Beitragsentlastung — inklusive Arbeitgeberanteil.

Was Sie selbst tun können

  • Früh einsteigen: Jedes Jahr früher verlängert die Ansparphase und senkt den kalkulierten Beitrag.
  • Beim Versicherer bleiben, Tarif wechseln: Bei steigenden Beiträgen zuerst den internen Wechsel nach § 204 VVG prüfen.
  • Anwartschaft statt Kündigung: Bei vorübergehender GKV-Pflicht oder Auslandsaufenthalt die Rückstellung mit einer großen Anwartschaft sichern.
  • Finanzstarken Versicherer wählen: Ein stabiler Kapitalstock und hohe Überzinsen stützen die Beiträge im Alter; einen Überblick gibt die Seite PKV-Testsieger.

Warum das Abschlussjahr 2009 beim PKV-Wechsel wichtig ist

Bei der Mitnahme von Alterungsrückstellungen zu einer anderen Gesellschaft spielt der gesetzliche Stichtag für neuere Verträge eine wichtige Rolle. Daraus folgt jedoch nicht, dass jeder Vertrag ab 2009 ein frei auszahlbares Sparkonto enthält. Übertragungswert, interne Anrechnung und Auszahlung sind unterschiedliche Begriffe.

Der interne PKV-Tarifwechsel nach § 204 VVG bleibt beim bisherigen Versicherer und ist vom Anbieterwechsel zu unterscheiden. Prüfen Sie außerdem Bisex- und Unisex-Rechte sowie einen möglichen späteren Standardtarifzugang. Ein neuer Produktname allein erklärt diese Folgen nicht.

Gesetzlichen Zuschlag nicht mit frei verfügbarem Sparguthaben verwechseln

Der gesetzliche PKV-Zuschlag ergänzt die normale Rückstellungsbildung und folgt eigenen Regeln für Zahlung und spätere Verwendung. Er ist keine jederzeit auszahlbare Sparposition. Wann die Zahlung endet und wie die Mittel im Alter eingesetzt werden, erklärt der eigene Ratgeber zum gesetzlichen Zehn-Prozent-Zuschlag.

Häufige Fragen zu Alterungsrückstellungen in der PKV

Was sind Alterungsrückstellungen in der PKV?

Alterungsrückstellungen sind Rücklagen, die private Krankenversicherer aus einem Teil Ihres Beitrags bilden. In jungen Jahren zahlen Sie mehr, als Sie statistisch an Leistungen verursachen; der Überschuss wird verzinst angespart und im Alter verbraucht, damit der Beitrag nicht allein wegen des höheren Lebensalters steigt. Ende 2025 lagen in der PKV insgesamt 355,4 Milliarden Euro Alterungsrückstellungen.

Was passiert mit den Alterungsrückstellungen bei einer Kündigung der PKV?

Wer nach dem 1. Januar 2009 abgeschlossen hat und zu einem anderen privaten Versicherer wechselt, nimmt die Alterungsrückstellung im Umfang des Basistarifs mit. Der darüber hinausgehende Teil bleibt beim bisherigen Versicherer im Kollektiv. Bei Verträgen vor 2009 wird in der Regel nichts übertragen. Wer in die GKV zurückkehrt, verliert die Rückstellung, sofern keine große Anwartschaft vereinbart ist.

Kann man sich Alterungsrückstellungen auszahlen lassen?

Nein. Alterungsrückstellungen sind kein persönliches Sparguthaben, sondern Teil der Tarifkalkulation. Sie werden weder bei Kündigung noch bei Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung noch im Todesfall ausgezahlt. Nicht verbrauchte Mittel bleiben im Kollektiv und senken dort die Beiträge der übrigen Versicherten.

Bleiben die Alterungsrückstellungen beim Tarifwechsel nach § 204 VVG erhalten?

Ja, vollständig. Beim Wechsel in einen gleichartigen Tarif desselben Versicherers werden die erworbenen Rechte und die gesamte Alterungsrückstellung angerechnet. Eine Gesundheitsprüfung darf nur für Mehrleistungen verlangt werden. Deshalb ist der interne Tarifwechsel für langjährig Versicherte meist der beste Weg, den Beitrag zu senken.

Was ist der gesetzliche Zuschlag von 10 Prozent?

Nach § 149 VAG zahlen Versicherte in der Vollversicherung vom 21. bis zum 60. Lebensjahr einen Zuschlag von 10 Prozent auf den Beitrag. Er fließt vollständig in die Alterungsrückstellung und dient dazu, Beitragserhöhungen ab 65 abzufedern und den Beitrag ab 80 zu senken. Mit 60 fällt der Zuschlag weg, der Beitrag sinkt dann um rund 9 Prozent.

Welche Tarife bilden keine Alterungsrückstellungen?

Ausbildungs- und Anwärtertarife werden bewusst ohne oder ohne volle Alterungsrückstellung kalkuliert, etwa die Ausbildungsvarianten Plus 70A und Best 70A der Allianz, die Studententarife von DKV, LVM oder Generali und die Anwärtertarife von VRK oder Union Krankenversicherung. Sie sind dadurch günstiger, werden aber nach Ausbildung oder Vorbereitungsdienst auf den Normaltarif mit Alterungsrückstellung umgestellt.

Wie hoch ist meine persönliche Alterungsrückstellung?

Das hängt von Eintrittsalter, Tarif, Vertragsdauer und Zinserträgen ab. Ihr Versicherer kann Ihnen den Übertragungswert nennen, also den Betrag, der bei einem Anbieterwechsel mitgehen würde. Rechnerisch entfallen auf jeden der 8,79 Millionen Vollversicherten gut 40.000 Euro, doch darin stecken auch Rückstellungen der Pflegepflicht- und Zusatzversicherungen.

Warum steigen PKV-Beiträge trotz Alterungsrückstellungen?

Alterungsrückstellungen gleichen nur den Kostenanstieg durch das eigene Älterwerden aus. Die allgemeine Steigerung der Gesundheitskosten durch medizinischen Fortschritt und höhere Preise wird nicht vorfinanziert. Sinkt zudem der Rechnungszins, muss mehr Rückstellung aus Beiträgen gebildet werden. Beides führt zu Beitragsanpassungen, die die Alterungsrückstellungen aber deutlich abmildern.

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