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Primärarzttarif PKV: die Kurzantwort
Ein Primärarzttarif (Hausarzttarif) ist ein PKV-Tarif, in dem der Hausarzt die erste Anlaufstelle ist. Mit Überweisung erstattet der Versicherer Facharztbehandlungen voll, ohne Überweisung nur anteilig. Im Gegenzug ist der Beitrag niedriger als im vergleichbaren Tarif mit freier Arztwahl – ideal für Gesunde, die selten zum Facharzt gehen.
- Mit Überweisung: 100 %, direkt beim Facharzt je nach Tarif 70 %, 75 % oder 80 %.
- Frauen-, Augen- und Kinderarzt sind in vielen Tarifen ohne Überweisung erlaubt, Notfälle üblicherweise immer.
- Beispiel HanseMerkur, 35 Jahre, selbstständig: Start Fit (Primärarzt) 415,98 €, Top Fit (freie Facharztwahl) 631,15 € im Monat.
- Späterer Wechsel in freie Arztwahl: in vielen Tarifen per Optionsrecht ohne neue Gesundheitsprüfung.
Primärarzttarif: So funktioniert das Primärarztprinzip in der PKV
Das Primärarztprinzip der PKV bedeutet: Bei einer Erkrankung gehen Sie zuerst zu einem festgelegten Erstbehandler – in der Regel Ihrem Hausarzt. Er behandelt selbst oder überweist Sie an den passenden Facharzt, und nur dann erstattet der Tarif die Facharztrechnung in voller Höhe.
Der Gedanke dahinter ist einfach: Ein großer Teil der Beschwerden lässt sich beim Hausarzt klären. Wer dort beginnt, verursacht im Schnitt weniger Doppeluntersuchungen und weniger teure Facharztrechnungen. Diesen Kostenvorteil gibt der Versicherer über einen niedrigeren Beitrag an Sie weiter. Die Begriffe Primärarzttarif, Hausarzttarif, Hausarztprinzip und Primärarztmodell meinen dabei im Kern dasselbe – die Versicherer benennen es nur unterschiedlich.
Wichtig für das Verständnis: Ein Hausarzttarif ist kein Tarif „zweiter Klasse“. Die Behandlung beim Facharzt bleibt versichert, auch ohne Überweisung. Es ändert sich nur der Erstattungssatz. Im Krankenhaus und beim Zahnarzt spielt das Primärarztprinzip in aller Regel keine Rolle; es betrifft den ambulanten Bereich. Wie die drei Leistungsbereiche zusammenspielen, erklärt unser Ratgeber PKV ambulant, stationär und Zahn.
- Schritt 1Sie haben Beschwerden und gehen zu Ihrem Hausarzt (Primärarzt).
- Schritt 2Der Hausarzt behandelt selbst – Erstattung 100 % – oder stellt eine Überweisung aus.
- Schritt 3Mit Überweisung behandelt der Facharzt; auch diese Rechnung erstattet der Tarif zu 100 %.
- AusnahmeDirekter Facharztbesuch ohne Überweisung: Erstattung je nach Tarif 70, 75 oder 80 %.
Auch für die gesetzliche Krankenversicherung wird seit 2025 ein verbindliches Primärarztsystem politisch diskutiert. In der PKV ist das Modell dagegen seit vielen Jahren etabliert: Die Vereinte führte ihren Hausarzttarif VSi bereits 2002 ein, die Globale ihren VollMed Tarif Aktiv sogar schon im Januar 1998.
Welche Ärzte zählen im Hausarzttarif der PKV als Primärarzt?
Als Primärarzt gilt im Hausarzttarif der PKV immer der Allgemeinmediziner bzw. der hausärztlich tätige Internist. Viele Tarife erweitern die Liste um Fachrichtungen, die Sie ohnehin regelmäßig und ohne Umweg aufsuchen – vor allem Frauenarzt, Augenarzt und Kinderarzt.
Genau hier unterscheiden sich die Tarife stärker, als es der Name vermuten lässt. Wer etwa jedes Jahr zur gynäkologischen Vorsorge geht oder eine Brille trägt, sollte darauf achten, dass diese Ärzte als Primärärzte gelten. Sonst zahlt man bei jedem Routinetermin einen Eigenanteil.
| Tarif | Direkt ohne Überweisung erlaubt |
|---|---|
| Barmenia einsA prima | Hausarzt, Augenarzt, Gynäkologe, Kinderarzt |
| Globale VollMed Tarif Aktiv | Hausarzt, Gynäkologe, Augen- oder Kinderarzt |
| Württembergische A1H / A2H | Allgemeinmediziner, Gynäkologe, Augen-, Kinderarzt u. a. |
| VRK SelectU | Hausarzt oder Gesundheitspartner |
| ottonova Premium Economy | Primärarzt oder Bestätigung durch den Concierge |
| AXA ActiveMe-U | Steuerung über den Gesundheitslotsen |
Zwei Tarife zeigen, dass das Prinzip auch digital funktioniert: Bei der ottonova ersetzt im Einstiegstarif Premium Economy eine Bestätigung des Concierge-Teams die klassische Überweisung, bei der AXA übernimmt in ActiveMe-U ein Gesundheitslotse die Rolle des Erstbehandlers – mit Online-Arzt als erstem Kontakt. Für Menschen, die viel unterwegs sind oder keinen festen Hausarzt haben, ist das oft bequemer als der Gang in die Praxis.
Fragen Sie bei jedem Hausarzttarif drei Dinge ab: Welche Fachrichtungen gelten als Primärarzt? Wie lange ist eine Überweisung gültig? Und gilt die Überweisungspflicht auch für Psychotherapeuten? Diese Details stehen in den Tarifbedingungen – wir prüfen sie für Sie bei jedem Angebot mit.
Erstattung im Primärarzttarif der PKV: mit und ohne Überweisung
Im Primärarzttarif der PKV erstattet der Versicherer mit Überweisung 100 Prozent, ohne Überweisung je nach Tarif 70, 75 oder 80 Prozent der Facharztrechnung. Der Unterschied von fünf bis zehn Prozentpunkten zwischen den Tarifen klingt klein, summiert sich aber bei häufigen Facharztbesuchen.
| Erstattung ohne Überweisung | Beispieltarife |
|---|---|
| 80 % | ARAG KomfortKlasse, Gothaer MediCompact Plus, HanseMerkur Start Fit und Smart Fit, Barmenia einsA prima+, AXA ActiveMe-U, ottonova Premium Economy |
| 75 % | Signal Iduna START-SI, Nürnberger HAT6, Hallesche NK.select S und PRIMO, DKV BestMed Eco, AXA ELBonus-U, Barmenia einsA prima, Gothaer MediStart 1, R+V AGIL classic pro und comfort, Mecklenburgische proMEaktiv, Münchener Verein Bonus Care, Universa uni-intro|Privat 600 |
| 70 % | LVM AP 400 / AP 800 |
Die Kürzung wirkt nur auf die Facharztrechnung, nicht auf den gesamten Tarif. Arzneimittel, die der Facharzt verordnet, werden in den meisten Tarifen nach den normalen Regeln erstattet. Eine vereinbarte Selbstbeteiligung gilt zusätzlich: Zuerst wird die Erstattung nach Prozentsatz berechnet, dann greift der jährliche Selbstbehalt. Wie die beiden Stellschrauben zusammenwirken, zeigt unser Ratgeber Selbstbeteiligung in der PKV.
Wir vergleichen Hausarzttarife mit 70, 75 und 80 Prozent Erstattung ohne Überweisung – und zeigen Ihnen den Beitrag im Vergleich zur freien Arztwahl.
Primärarzttarife und Hausarzttarife der PKV im Überblick
Primärarzttarife der PKV gibt es bei mehr als 15 Versicherern, meist als Einstiegs- oder Kompakttarif mit Selbstbeteiligung. Einige Gesellschaften kombinieren das Hausarztprinzip aber auch mit Zweibettzimmer und Chefarzt – ein Hausarzttarif muss also nicht zwingend Grundschutz bedeuten.
| Versicherer | Tarif | Selbstbeteiligung | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| ARAG | KomfortKlasse | 0 bis 1.500 € | Ein-/Zweibettzimmer und Chefarzt, Zahnbehandlung 100 % |
| AXA | ELBonus-U | 360 € (Kinder 180 €) | Vorsorge ohne SB, offener Hilfsmittelkatalog |
| Barmenia | einsA prima / prima+ | 330 / 660 / 1.320 € | prima+ mit Zweibettzimmer und Privatarzt |
| DKV | BestMed Eco (BME) | nur ambulant | Optionsrecht auf BestMed Komfort bis 55 |
| Gothaer | MediCompact Plus | 240 oder 480 € | Zweibettzimmer, Chefarzt, Zahnersatz 80 % |
| Gothaer | MediStart 1 | 480 € oder 40 € Bonus/Monat | Upgrade ohne Gesundheitsprüfung |
| Hallesche | NK.select S | 600 / 1.200 / 3.000 € | offener Hilfsmittelkatalog, Psychotherapie ohne Sitzungslimit |
| Hallesche | PRIMO.Z / PRIMO.Z plus | 300 / 600 / 1.200 € oder Bonus | Optionsrecht nach 3 Jahren |
| HanseMerkur | Start Fit / Smart Fit | 500 oder 1.000 € | Umstellungsoption im 4. Jahr |
| LVM | AP 400 / AP 800 | 400 oder 800 € | Facharzt ohne Überweisung nur 70 % |
| Mecklenburgische | proMEaktiv / proMEaktivplus | 450 oder 900 € | plus-Variante mit Zweibettzimmer und Chefarzt |
| Münchener Verein | Bonus Care Alpha / Classic | Alpha 390 €, Classic ohne SB | Classic mit Pauschale bei Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs |
| Nürnberger | Hausarzttarif HAT6 | 600 € (Kinder 300 €) | Wechsel in TOP ohne Gesundheitsprüfung |
| R+V | AGIL classic pro / comfort | 0 / 480 / 960 / 1.920 € | bis 3,5-facher Satz, comfort mit Zweibettzimmer |
| Signal Iduna | START-SI | 500 € | Beitragsrückerstattung 2 Monatsbeiträge ab Jahr 1 |
| Universa | uni-intro|Privat 300 / 600 | 300 oder 600 € | Facharzt-Baustein uni-ZF hebt Einschränkung auf |
| Württembergische | Module A1H / A2H | modulabhängig | Hausarzt-Variante der Ambulant-Module, Generika 100 % |
Hausarzttarif mit Komfort: Zweibettzimmer inklusive
Wer glaubt, im Hausarzttarif müsse man auf Klinikkomfort verzichten, liegt falsch. Die ARAG KomfortKlasse leistet im Krankenhaus Ein- oder Zweibettzimmer und Chefarzt zu 100 Prozent, die Gothaer MediCompact Plus Zweibettzimmer und Chefarzt, und bei der Barmenia ergänzt einsA prima+ Zweibettzimmer und Privatarzt. Ebenso hat die Universa in uni-intro|Privat 600 Zweibettzimmer und Chefarzt bereits eingeschlossen. Der Verzicht beschränkt sich hier also auf den ambulanten Weg zum Facharzt.
Sonderfall: den Hausarzt-Filter abwählen
Die Universa zeigt, dass das Primärarztprinzip nicht in Stein gemeißelt sein muss. In der Kombination „Clever kombiniert“ aus uni-intro|Privat 300 und dem Baustein uni-ZF erstattet der Tarif auch den Facharzt ohne Überweisung zu 100 Prozent. Ein 30-Jähriger zahlt für diese Kombination mit Zahn- und Stationärbaustein, gesetzlichem Zuschlag und Pflegepflicht 521,49 € im Monat; als Angestellter bleibt nach Arbeitgeberzuschuss ein Eigenanteil von 260,74 €. Einen anderen Weg geht die Gothaer in MediVita: Dort gilt freie Arztwahl, wer aber zuerst den Hausarzt aufsucht, erhält einen Hausarzt-Bonus von bis zu 50 Prozent der Selbstbeteiligung.
Was spart ein Hausarzttarif in der PKV?
Ein Hausarzttarif in der PKV ist je nach Versicherer spürbar günstiger als ein vergleichbarer Tarif mit freier Arztwahl. Für den früheren Hausarzttarif VSi der Vereinten lag der Abstand zum Normaltarif bei rund 15 Prozent; bei Tarifen, die sich zusätzlich in Klinik- und Zahnleistungen unterscheiden, ist der Beitragsabstand oft deutlich größer.
Einen sauberen Eins-zu-eins-Vergleich „gleicher Tarif, nur ohne Hausarzt-Pflicht“ bieten die wenigsten Versicherer. Die folgenden Beispielbeiträge zeigen deshalb, was ein Primärarzttarif im Vergleich zum Komforttarif desselben Versicherers kostet – mit dem Hinweis, dass der Komforttarif auch in anderen Punkten mehr leistet.
| Beispiel | Primärarzttarif | Tarif mit freier Arztwahl | Differenz |
|---|---|---|---|
| HanseMerkur, 35 Jahre, selbstständig, SB 1.000 € | Start Fit: 415,98 € | Top Fit: 631,15 € | 215,17 € |
| HanseMerkur, 45 Jahre, selbstständig, SB 1.000 € | Start Fit: 544,63 € | Top Fit: 786,40 € | 241,77 € |
| Signal Iduna, 30 Jahre, reiner Tarifbeitrag | START-SI (SB 500 €): 352,85 € | KOMFORT-SI 0 (ohne SB): 645,29 € | 292,44 € |
| AXA, 34 Jahre, angestellt, inkl. Zahn, KT, PPV | ELBonus-U: 595,68 € | ActiveMe-U (Lotse): 666,42 € | 70,74 € |
HanseMerkur: Primärarzttarif Start Fit und Top Fit mit freier Facharztwahl, Selbstständige, SB 1.000 €, Monatsbeitrag 2026
Für Angestellte halbiert sich die Ersparnis, weil der Arbeitgeber die Hälfte des Beitrags trägt – höchstens 613,22 € im Monat für Kranken- und Pflegeversicherung. Selbstständige tragen ihren Beitrag dagegen allein, bei ihnen kommt jeder gesparte Euro voll an. Deshalb sind Primärarzttarife unter Gründern und Freiberuflern besonders verbreitet. Zum Vergleich: Der Arbeitnehmeranteil in der GKV liegt 2026 an der Beitragsbemessungsgrenze bei bis zu 613,22 € im Monat. Wie sich der Gesamtbeitrag zusammensetzt, lesen Sie im Ratgeber Was kostet die PKV?
Rechenbeispiel: Lohnt sich der Primärarzttarif in der PKV bei Facharztbesuchen?
Ob sich ein Primärarzttarif in der PKV lohnt, entscheidet die Zahl der Facharztbesuche ohne Überweisung. Solange Sie konsequent den Weg über den Hausarzt gehen, entsteht kein Nachteil; jeder direkte Termin kostet dagegen 20 bis 30 Prozent der Rechnung.
Das folgende Beispiel geht von einer Facharztrechnung über 180 € aus und rechnet ohne Selbstbeteiligung, damit der Effekt der Kürzung sichtbar wird:
| Facharztbesuche ohne Überweisung im Jahr | Eigenanteil bei 80 % | bei 75 % | bei 70 % |
|---|---|---|---|
| 1 Besuch (180 €) | 36 € | 45 € | 54 € |
| 3 Besuche (540 €) | 108 € | 135 € | 162 € |
| 6 Besuche (1.080 €) | 216 € | 270 € | 324 € |
| 12 Besuche (2.160 €) | 432 € | 540 € | 648 € |
Legt man die HanseMerkur-Beiträge daneben, wird die Größenordnung klar: Der 35-jährige Selbstständige zahlt in Start Fit 215,17 € im Monat weniger als in Top Fit, das sind 2.582,04 € im Jahr. Selbst zwölf Facharzttermine ohne Überweisung würden bei 80 Prozent Erstattung nur 432 € kosten. Der Primärarzttarif bleibt in diesem Beispiel also auch für Menschen günstiger, die den Hausarzt öfter überspringen – vorausgesetzt, die übrigen Leistungen reichen ihnen.
Wo die Rechnung kippt: Bei einer chronischen Erkrankung mit Terminen beim Facharzt alle paar Wochen ist nicht der Eigenanteil das Problem, sondern der Aufwand, jedes Mal eine Überweisung zu besorgen. Außerdem ist der Beitragsvorteil nur dann echt, wenn der günstigere Tarif auch bei Hilfsmitteln, Psychotherapie und Zahnersatz ausreicht. Mehr dazu im Ratgeber offener oder geschlossener Hilfsmittelkatalog.
Wir rechnen beide Varianten für Ihr Alter und Ihre Selbstbeteiligung durch – und zeigen, ab wie vielen Facharztbesuchen sich welche Lösung lohnt.
Für wen lohnt sich ein Primärarzttarif in der privaten Krankenversicherung?
Ein Primärarzttarif in der privaten Krankenversicherung lohnt sich vor allem für gesunde, preisbewusste Versicherte mit festem Hausarzt. Weniger passend ist er für Menschen, die bereits regelmäßig Fachärzte brauchen oder die freie Arztwahl als wichtigsten Grund für den Wechsel in die PKV sehen.
Vorteile
- Dauerhaft niedrigerer Beitrag bei vollem Schutz mit Überweisung
- Hausarzt als Lotse: weniger Doppeluntersuchungen, klarer Behandlungsweg
- Behandlung beim Facharzt bleibt auch ohne Überweisung versichert
- Frauen-, Augen- und Kinderarzt in vielen Tarifen direkt erlaubt
- Oft mit Optionsrecht auf einen höheren Tarif ohne neue Gesundheitsprüfung
- Für Selbstständige und Gründer ein günstiger Einstieg in die PKV
Nachteile
- 20 bis 30 % Eigenanteil bei direktem Facharztbesuch
- Zusätzlicher Termin beim Hausarzt vor jeder neuen Facharztbehandlung
- Hausarzttarife sind oft Einstiegstarife mit schwächeren Nebenleistungen
- Wechsel in freie Arztwahl ohne Optionsrecht nur mit Gesundheitsprüfung
- Für chronisch Kranke mit vielen Facharztterminen umständlich
Gut geeignet
Junge Angestellte, die über der Versicherungspflichtgrenze von 77.400 € (2026) verdienen und selten krank sind, bekommen mit einem Hausarzttarif einen niedrigen Einstieg. Selbstständige und Gründer profitieren doppelt, weil sie den Beitrag allein tragen – mehr dazu auf unserer Seite PKV für Selbstständige. Auch Familien, die ohnehin einen Kinderarzt als erste Anlaufstelle haben, verlieren wenig, wenn der Kinderarzt als Primärarzt gilt.
Weniger geeignet
Wer eine Vorerkrankung mit regelmäßigen Kontrollen beim Kardiologen, Dermatologen oder Orthopäden hat, zahlt entweder häufig Eigenanteile oder sammelt Überweisungen. Hier ist ein Tarif mit freier Arztwahl oft entspannter. Wie der Versicherer Vorerkrankungen bewertet, lesen Sie im Ratgeber PKV mit Vorerkrankungen. Ebenso wenig passt das Modell zu Menschen, die im Ausland leben oder ständig den Wohnort wechseln und keinen festen Hausarzt haben – dann ist ein digitaler Lotse wie bei ottonova oder AXA die bessere Variante.
Vom Primärarzttarif in die freie Arztwahl: Tarifwechsel in der PKV
Aus einem Primärarzttarif können Sie jederzeit nach § 204 VVG in einen Tarif Ihres Versicherers mit freier Arztwahl wechseln; Ihre Alterungsrückstellung wird dabei angerechnet. Weil der neue Tarif mehr leistet, darf der Versicherer für diese Mehrleistung eine Gesundheitsprüfung, einen Risikozuschlag oder einen Leistungsausschluss verlangen.
Genau deshalb ist ein vertragliches Optionsrecht beim Abschluss eines Hausarzttarifs Gold wert. Es erlaubt den späteren Umstieg ohne neue Gesundheitsfragen – auch dann, wenn Sie inzwischen erkrankt sind:
| Tarif | Umstieg ohne neue Gesundheitsprüfung |
|---|---|
| Nürnberger HAT6 | in den Komforttarif TOP |
| DKV BestMed Eco | Optionsrecht auf BestMed Komfort bis Alter 55 |
| Hallesche PRIMO | Optionsrecht nach 3 Jahren |
| HanseMerkur Start Fit / Smart Fit | Umstellungsoption im 4. Versicherungsjahr |
| Universa uni-intro|Privat | nach 3 und 8 Jahren in Top|Privat; bei Privat 600 garantierte Umstiegsoptionen bis 50 |
| Gothaer MediCompact Plus | in Premium nach 12, 24 oder 36 Monaten |
| Gothaer MediStart 1 | Upgrade ohne Gesundheitsprüfung |
| Mecklenburgische proMEaktiv / proMEaktivplus | Upgrade bzw. Höherversicherung nach 5 Jahren |
Der umgekehrte Weg ist einfacher: Wer im Alter Beitrag sparen möchte, kann aus einem Tarif mit freier Arztwahl in einen Hausarzttarif desselben Versicherers wechseln. Weil der neue Tarif weniger leistet, ist dafür keine Gesundheitsprüfung nötig. Das ist eine der wirksamsten Stellschrauben gegen steigende Beiträge – ausführlich erklärt im Ratgeber Tarifwechsel nach § 204 VVG und unter Beitragsanpassung prüfen. Auch Alttarife mit Hausarztprinzip gibt es viele, etwa KOMFORT und START der Signal Iduna, VictoriaMed Kompakt, Einsteiger-Komfort-Schutz EKU der Württembergischen oder INTER CompactCare.
Primärarzttarif in der PKV für Beamte und Beihilfeberechtigte
Für Beamte ist der Primärarzttarif in der PKV die Ausnahme: Die meisten Beihilfetarife arbeiten mit freier Arztwahl. Es gibt aber einzelne Einstiegstarife mit Hausarztprinzip, die den Restkostenanteil günstiger absichern.
Die Signal Iduna bietet mit START-B einen Einstiegs-Beihilfetarif mit Hausarztprinzip und ohne Selbstbehalt; der Premiumtarif EXKLUSIV-B kommt dagegen ohne Hausarztpflicht aus. Beim Münchener Verein steuert der Beihilfetarif Bonus Care-B über den Hausarzt, während Excellent-B ausdrücklich ohne Primärarztprinzip arbeitet. Die Beihilfe selbst erstattet ihren Anteil unabhängig davon, ob Sie mit oder ohne Überweisung zum Facharzt gehen – die Kürzung betrifft nur den privaten Restkostentarif.
Weil Beamte bei 50 Prozent Beihilfe (Bund, aktiv) nur die Hälfte privat absichern, ist die Beitragsersparnis in Euro kleiner als bei Angestellten und Selbstständigen. Für Beamte mit Kindern oder im Ruhestand steigt der Beihilfesatz auf 70 bzw. 80 Prozent, der Effekt schrumpft weiter. Einen Überblick über alle Beihilfetarife gibt unsere Seite PKV für Beamte.
Wir vergleichen die Restkostentarife für Ihren Beihilfesatz und Ihr Bundesland – kostenlos und unverbindlich.
Häufige Fragen zum Primärarzttarif in der PKV
Was ist ein Primärarzttarif in der PKV?
Ein Primärarzttarif – auch Hausarzttarif genannt – ist ein PKV-Tarif, der ambulante Facharztbehandlungen nur dann zu 100 Prozent erstattet, wenn Sie zuerst Ihren Hausarzt oder einen anderen festgelegten Primärarzt aufsuchen und von ihm überwiesen werden. Gehen Sie direkt zum Facharzt, erstattet der Versicherer je nach Tarif nur 70, 75 oder 80 Prozent der Rechnung.
Welche Ärzte zählen im Hausarzttarif als Primärarzt?
Immer der Allgemeinmediziner bzw. hausärztlich tätige Internist. In vielen Tarifen dürfen Sie außerdem Frauenärzte, Augenärzte und Kinderärzte ohne Überweisung aufsuchen – etwa in einsA prima der Barmenia, im VollMed Tarif Aktiv der Globale oder in den Hausarzt-Modulen A1H und A2H der Württembergischen. Notfälle sind üblicherweise von der Überweisungspflicht ausgenommen; die genaue Liste steht in den Tarifbedingungen.
Wie viel spart ein Primärarzttarif?
Die Ersparnis hängt vom Versicherer und vom Vergleichstarif ab. Der frühere Hausarzttarif VSi der Vereinten war rund 15 Prozent günstiger als der Normaltarif. Bei der HanseMerkur kostet Start Fit mit Primärarztprinzip für einen 35-jährigen Selbstständigen 415,98 € im Monat, der Tarif Top Fit mit freier Facharztwahl bei gleicher Selbstbeteiligung 631,15 € – Top Fit leistet allerdings auch in anderen Bereichen mehr.
Was passiert, wenn ich ohne Überweisung zum Facharzt gehe?
Die Behandlung ist trotzdem versichert, nur die Erstattung sinkt. Die meisten Hausarzttarife zahlen dann 75 Prozent, etwa START-SI der Signal Iduna, HAT6 der Nürnberger oder NK.select S der Hallesche. 80 Prozent zahlen zum Beispiel die ARAG KomfortKlasse, Gothaer MediCompact Plus und HanseMerkur Start Fit, 70 Prozent der LVM-Tarif AP. Bei einer Facharztrechnung von 180 € bleiben Sie so auf 36 bis 54 € sitzen.
Kann ich später von einem Hausarzttarif in einen Tarif mit freier Arztwahl wechseln?
Ja, über einen Tarifwechsel nach § 204 VVG. Weil der neue Tarif mehr leistet, darf der Versicherer für die Mehrleistung eine Gesundheitsprüfung verlangen. Einige Tarife enthalten deshalb ein Optionsrecht ohne neue Prüfung, zum Beispiel HAT6 der Nürnberger in den Komforttarif TOP, BestMed Eco der DKV in BestMed Komfort bis zum Alter 55 oder PRIMO der Hallesche nach drei Jahren.
Für wen lohnt sich ein Primärarzttarif in der PKV?
Für gesunde Menschen, die ohnehin einen festen Hausarzt haben und selten einen Facharzt brauchen – typischerweise junge Angestellte, Selbstständige und Gründer, die Beitrag sparen möchten. Weniger geeignet ist er für Menschen mit chronischen Erkrankungen und regelmäßigen Facharztterminen sowie für alle, die ausdrücklich freie Arztwahl als Grund für die PKV sehen.
Gibt es Primärarzttarife auch für Beamte?
Ja, aber seltener. Beihilfetarife arbeiten meist mit freier Arztwahl. Mit Hausarztprinzip gibt es zum Beispiel START-B der Signal Iduna als Einstiegstarif ohne Selbstbehalt und Bonus Care-B des Münchener Vereins mit Hausarzt-Steuerung. Für den Beihilfeanteil selbst spielt der Weg über den Hausarzt in der Regel keine Rolle.
Ist ein Hausarzttarif dasselbe wie das Hausarztmodell der GKV?
Nein. Das Hausarztmodell der gesetzlichen Kassen ist eine freiwillige Teilnahme mit Bonus oder Vorteilen. Der Primärarzttarif der PKV ist Teil Ihres Versicherungsvertrags: Die geringere Erstattung ohne Überweisung ist fest vereinbart, dafür ist der Beitrag dauerhaft niedriger als im vergleichbaren Tarif mit freier Arztwahl.
Wir prüfen Tarife, Bedingungen und Beiträge der privaten Krankenversicherer laufend und rechnen Ihr Angebot individuell — für Angestellte, Selbstständige, Beamte, Studenten und Familien. Tarifstand 2026.
